Max Greger verstorben

Wissenswertes über Interpreten und deren Oldies in deutscher Sprache.
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Andy
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Max Greger verstorben

#1 Beitrag von Andy » So 16. Aug 2015, 14:57

In der Nacht zum 15. August 2015 starb Max Greger in München an einer schweren Krebserkrankung.
Er nahm mehr als 150 Schallplatten auf, trat in hunderten Konzerthallen unter anderem mit Louis Armstrong, Duke Ellington und Ella Fitzgerald auf und produzierte rund 3000 Musikstücke. Zu Gregers musikalischen Begleitern zählten Paul Kuhn, Hugo Strasser und James Last.
Max Greger sollte ursprünglich das elterliche Metzgereigeschäft übernehmen. 1936 schenkte ihm sein Großvater jedoch ein Akkordeon und legte damit den Grundstein zur musikalischen Entwicklung des damals Zehnjährigen. Neben dem Besuch einer Aufbauschule absolvierte Greger ein Studium der Klarinette und des Saxophons am Münchner Konservatorium.
Als 18-Jähriger wurde Max Greger 1944/45 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zum Kriegsdienst eingezogen. Bereits kurz nach Kriegsende spielte er als einer der ersten Deutschen vor allem in amerikanischen Offizierscasinos und wurde somit, gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Hugo Strasser, zu einem Pionier der deutschen Swing- und Jazzszene der Nachkriegszeit. 1948 gründete er sein erstes eigenes Ensemble unter dem Namen Max-Greger-Sextett. Er spielte tagsüber hauptsächlich Volkstümliches für den Bayerischen Rundfunk und abends in amerikanischen Clubs. Erste Schallplattenaufnahmen mit eigenen Tanz- und Schlagerkompositionen wie Auf Bergeshöhen, Rock’n’Roll Boogie, Verliebte Trompeten, Max & Sax, Looping Blues, Keiner küßt wie Du, Teenager Cha Cha und Rock Twist folgten, ebenso wie ausgedehnte Tourneen durch Deutschland und Europa. Als erste westliche Band seit 35 Jahren durfte Max Greger 1959 eine fünfwöchige Tournee in die Sowjetunion starten, wo er mit Maria Hellwig und Udo Jürgens auftrat. Insgesamt gab es 36 ausverkaufte Konzerte. Danach gelang ihm der Durchbruch.
Von 1963 bis 1977 besaß der Bandleader einen festen Vertrag mit dem ZDF. Greger war in dieser Zeit ständiger Gast bei großen ZDF-Liveshows wie Vergißmeinnicht, Der goldene Schuß, 3 mal 9 oder Musik ist Trumpf. Die Thomas-Reich-Komposition Up To Date, aufgeführt von seinem Orchester, wird vom samstäglichen Aktuellen Sportstudio des ZDF als Titelmelodie verwendet. 1970 spielte seine Band als einziges deutsches Orchester beim Deutschlandtag auf der Weltausstellung in Ōsaka.
Andy

Andreas Köhne
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Re: Max Greger verstorben

#2 Beitrag von Andreas Köhne » So 30. Aug 2015, 18:20

Am 15. August 2015 verstarb der deutsche Jazzmusiker, Saxophonist, Dirigent und Orchesterleiter Max Greger im Alter von 89 Jahren.

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Seine Eltern betrieben ein Metzgereigeschäft, das der gebürtige Münchner übernehmen sollte. Als ihm jedoch der Großvater 1936 ein Akkordeon schenkte, waren die Weichen gestellt. Max Greger spielte in einem Akkordeonklub, besuchte eine Aufbauschule und absolvierte nebenher ein Studium am Konservatorium seiner Heimatstadt. Dort lernte er Klarinette und Saxophon.

Mit 18 Jahren mußte er zur Wehrmacht, kurz nach Kriegsende musizierte er als einer der ersten Deutschen in amerikanischen Offizierscasinos. 1948 rief er eine sechsköpfige Formation ins Leben und fuhr musikalisch zweigleisig: Unter dem Namen "Enzian-Sextett" brachten die Musiker für den Bayerischen Rundfunk Schlager und volkstümliches Liedgut zu Gehör, abends spielten sie als "Max-Greger-Sextett" Swing und Jazz in amerikanischen Clubs. Schon bald wurde ein Oktett daraus. Später schloß sich Max Greger der Band von Charly Tabor an und begleitete u. a. Louis Armstrong und Duke Ellington. Erste Schallplattenaufnahmen entstanden, als Beispiele seien "Auf Bergeshöhen", "Rock'n'Roll Boogie", "Verliebte Trompeten" oder "Looping Blues" genannt. Tourneen durch Deutschland und Europa folgten.

Auf dem 1953 stattfindenden ersten Deutschen Jazzfestival gehörten Max Greger, Günter Fuhlisch, Hans Last (der spätere "James Last") und andere den "German All Stars" an. Das Konzert erschien bei "Telefunken" auf einer Langspielplatte.

1955 rief er seine eigene Big Band ins Leben, eine Mitgliedschaft in einer der großen Formationen dieser Art lehnte er ab. Lieber wollte er eigenständig bleiben. In den folgenden Jahrzehnten gelangten Max Greger und seine Mitspieler mehrmals in die deutschen Charts, u. a. mit "Singing Hills" (1958), "Moskauer Nächte" (1959), "Harem" (1964) oder LP's wie "Kellerparty mit Max Greger" (1962), "Trimm und tanz dich fit" (1974) und "Mach mal Tanztag" (1978).

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1959 wurde ihm eine besondere Ehre zuteil, wurde doch sein Orchester als erste westliche Band der Nachkriegszeit zu einer fünfwöchigen Gastspielreise in die damalige Sowjetunion eingeladen. Die unter Mitwirkung von Maria Hellwig und Udo Jürgens stattfindenden 36 Konzerte waren allesamt ausverkauft. Die Gründung des ZDF vier Jahre später ließ Max Greger einen Vertrag unterzeichnen, der bis 1977 laufen sollte. Während dieser Zeit sah und hörte man ihn in Shows wie "Vergißmeinnicht", "Der goldene Schuß", "3 mal 9" oder "Musik ist Trumpf". Die von ihm eingespielte Nummer "Up To Date" dient bis heute als Titelmelodie des "Aktuellen Sportstudios".

1970 gastierte das Orchester beim "Deutschlandtag" auf der damals in Osaka stattfindenden Weltausstellung. Für die kommende Olympiade spielte er 1971 unter "Olympia 1972 Orchestra Max Greger" die Single "Munich Fanfare March" / "Sapporo March" (Polydor 2041 203) ein.

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Seinen 60. Geburtstag im Jahr 1986 feierte er mit einer "Super-Band", zu der auch Kollegen wie Hazy Osterwald, Hugo Strasser, Paul Kuhn und James Last zählten. Von 1992 an war er Gastdirigent bei öffentlichen Veranstaltungen und Studioproduktionen der SWR Big Band. Ab 2002 trat er in wechselnden Besetzungen bei Deutschlandtourneen auf, bei denen er von seinem Sohn Max, Hugo Strasser, Paul Kuhn und seinem Enkel (der ebenfalls Max heißt) begleitet wurde. Sein letztes Konzert absolvierte der am 02. April 1926 geborene Max Greger im Juli 2015.

1992 verlor er bei einem tragischen Unfall seinen Schwager, vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde er freigesprochen.

Das 80. Wiegenfest beging Max Greger im Rahmen einer Tournee durch Deutschland, die an eben jenem Tag in der Münchner Philharmonie begann.

Auch in vielen Filmen war er präsent, so in "Das alte Försterhaus" (1956), "Mein Schatz, komm mit ans blaue Meer" (1959), "Der verkaufte Großvater" (1962) oder "Die große Kür" (1964). 1971 wirkte er in der Fernsehkomödie "Olympia-Olympia" mit.

Max Greger erhielt 1987 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2012 den Bayerischen Verdienstorden. 2006 wurde er für einen "Amadeus Austrian Music Award" nominiert.

Möge er in Frieden ruhen!!

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